In der Jännerausgabe 2003 des „Gleitschirm" ist ab Seite 28 ein Artikel von Jutta Simone Thiel zu lesen, der sich mit den unterschiedlichen Regeln zum Scheinerwerb für Paragleiter im deutschsprachigen Raum auseinandersetzt. Der Artikel trägt den Titel „Alles nur zum Schein" und führt aus, dass in Deutschland und der Schweiz vergleichbare Solo-Scheine wie unser österreichischer „Sopi" unbegrenzt gültig sind und es keines Überprüfungsfluges bedarf.
Der "Gleitschirm" ist hier aber nicht am neuesten Stand, weil seit Dezember 2002 unter dem viel sagenden Titel "Harmonisierung" auch in Deutschland ein Überprüfungsflug eingeführt werden wird. Siehe dazu unter DHV (Punkt 10. Flugpraxis). Also war nur bis jetzt in Deutschland kein Überprüfungsflug erforderlich. Eigentlich müssten die deutsche und schweizerische Unfallstatistik demnach wesentlich schlechter als die österreichische aussehen. Das ist aber nicht der Fall.
In Österreich ist es durch die "gemeinnützige" Tätigkeit des Herrn Himberger als Flugschulbetreiber, Händler, Versicherungsagent und Sektionsleiter in einer Person schon vor Jahren gelungen, diesen wiederkehrenden Überprüfungsflug (im Rahmen einer Flugschule) verpflichtend einzuführen – so steht es ausdrücklich im österreichischen HG/PG – Erlass. Dass dieser Überprüfungsflug von der überwiegenden Mehrheit der Piloten nie gemacht worden ist, dürfte sich inzwischen ja herumgesprochen haben. Auf Grund der „konsumentenfreundlichen Einstellung" vieler Flugschulen hat es genügt, wenn man dort den Piloten kennt. Oft hat es genügt, wenn sich der betreffende „Verlängerungswillige" einen Schirm (oder sonst was) im Flugschulshop gekauft hat. Es ist seit Jahren in österreichischen Fliegerkreisen ein offenes Geheimnis, dass dieser Überprüfungsflug nur am Papier steht und dass er von der überwiegenden Mehrzahl der Schulen eben nicht verlangt worden ist. Dass er damit über all die Jahre der "Sicherheit" nicht dienlich sein konnte, liegt wohl auf der Hand.
Anstatt aber gegen diese in Österreich einmalige Regel aufzutreten, haben die meisten Flugschulen und Händler diese Regel einfach nicht normkonform vollzogen, weshalb sie zu einem reinen Cash- und Bindungsinstrument verkommen ist. Man darf gespannt sein, wie der DHV und die Kollegen in Deutschland diese dort voraussichtlich ab Mai gültige Regel vollziehen werden oder ob auch dort Auslegungskünstler wie unser Generalsekretär Schlager am Werk sein werden. Vielleicht macht man das, so wie in Österreich in den vergangenen Jahren ohnehin "Alles nur zum Schein" und nur um die Flieger in ein Flugschulshop zu treiben.
Jetzt wird man auch in Deutschland die Geister, die man da gerufen hat, nicht mehr los und ich bin neugierig, ob man auch dort versucht, mit völlig unhaltbaren Auslegungskunststücken ein ungesetzliches (eigentlich „erlasswidrige") Handeln als normkonform darzustellen. Oder wird man wirklich einen Überprüfungsflug in einer Flugschule abnehmen. Wenn man das auch wirklich macht, wäre das mit einem enormen Aufwand an Zeit und Geld für die Flugschule und den Piloten verbunden, was den Sport natürlich noch teurer machen würde als er ohnehin schon ist. Aus dem genannten Artikel im „Gleitschirm" geht eindeutig hervor (so wie es auch im HG/PG - Erlass steht), dass der Überprüfungsflug in einer Flugschule durchzuführen ist. Da der Überprüfungsflug aber in Österreich über viele Jahre eben nicht abgenommen worden ist, ist bewiesen, dass er - so wie bisher in Deutschland und der Schweiz eben auch - eigentlich nicht erforderlich ist.
Kostet es in Österreich mittlerweile ohnehin bereits durchschnittlich 1.650,-- Euro (das sind 22.145,-- alte Schillinge ! !) bis man den begehrten Schein inklusive „Überlandberechtigung" in der Tasche hat ! Diese Kosten ergeben sich aus der Summe für die einzelnen Berechtigungen. Siehe dazu Aufstellung im genannten Artikel des Gleitschirmmagazin.
Unser Sport wird dadurch für immer weniger Leute erschwinglich und die Nachwuchsprobleme sind nicht nur Vereinsobmännern, sondern auch vielen Flugschulen, hinreichend bekannt. Man hat es bald geschafft, dass Para- und Hängegleiten nicht nur den (eigentlich falschen) Ruf hat besonders gefährlich zu sein, sondern auch wirklich „sauteuer" ist.
Wenn bei Flugschulen und Vereinen immer wieder gejammert wird, der große Boom wäre vorbei, dann soll man sich in Flugschulkreisen einmal fragen, ob das nicht auch an den hohen Einstiegskosten und komplizierten Scheinerhaltungsregeln liegen könnte.
Viele Flugschulbetreiber haben schon erkannt, dass zu viele Regeln der Fliegerei - und damit auch ihrem Geschäft - letztendlich mehr schaden als nützen.
Momentan ist der Österreichische Aeroclub dabei, die Beibehaltung der erwiesen sinnlosen Überprüfungsflüge mit allen nur denkbaren (aber unlogischen) Argumenten zu halten.
Ob man der Fliegerei, den Flugschulen und den Sporttreibenden damit wirklich einen guten Dienst erweist und den Flugsport fördert ist ernsthaft zu bezweifeln.
Kepplinger
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