Lange Zeit war es der unerreichte Traum vieler Gleitschirmflieger : unten im Tal starten, auf dem höchsten Berg Europas landen ... Der "Jahrhundert-Sommer" mit seinen unglaublichen Basishöhen hat diesen Rekordflug wahr werden lassen : Sieben Piloten sind am 13. August dieses Jahres nach außergewöhnlichen Startplatzüberhöhungen so weit aufgedreht, daß sie auf dem 4810 m hohen Gipfel des Mont Blanc toplanden konnten. Vier Piloten waren auf 2000m Höhe (Planpraz) gestartet, einer kam von Samoens (1600m), zwei andere von 1750m Höhe (Megève). Der Höhengewinn in der Rekordthermik betrug weit über 3000 Meter : Vor ihrer Toplandung befand sich die Pilotengruppe auf der sagenhaften Basishöhe von 5200 Metern !
Bis jetzt war es noch keinem Piloten gelungen, nahe am Mont Blanc weit genug aufzudrehen : Der gesamte obere Teil des Dach Europas ist mit Schnee und Eis bedeckt, die Thermiken bekommen "da oben" also keinen "neuen Punch" mehr. Erst die außergewöhnlichen Bedingungen dieses Sommers haben das flugtechnische "Wunder" möglich gemacht. David Casartelli, Pierre Denambride, Yvan Boullen, Jean-Paul Bonfanti, Alain Finet, Yves Goueslain and Fred Escriba haben nach ihrer unverhofften Spitzenleistung auf der Schneekuppe des Dachs von Europa gemütlich gepicknickt, bevor sie wieder ins Tal zurückgeflogen sind ...
Nachtrag :
Der Deutsche Wetterdienst hat Anfang September die Wetterdaten des Monats August für Deutschland analysiert und festgestellt, daß es sich tatsächlich um einen "Rekordaugust" handelte.
Nach einer ersten Auswertung eines großen Teils der rund 4.000 Stationen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) steht nun fest : Dieser August sorgte vielerorts für neue Rekordwerte. Insgesamt war er deutlich zu warm, zu trocken und die Sonnenscheinausbeute war überdurchschnittlich.
Die Lufttemperaturen lagen im Mittel etwa um 4 Grad Celsius (°C) über den langjährigen Mittelwerten des DWD. In der Mitte und im Süden Deutschlands wurde praktisch flächendeckend der wärmste August seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1901 registriert. Die höchste mittlere Tagestemperatur verzeichnete Freiburg mit 25,5°C Grad, ebenfalls ein bundesweiter Rekord. Selbst auf den Bergen war es bis zu 6,6 Grad wärmer als sonst üblich, beispielsweise auf dem Feldberg im Schwarzwald. Aber auch die Nächte brachten oft keine Abkühlung : An der Station Weinbiet oberhalb Neustadt/Weinstraße fiel die Temperatur in der "tropischen" Nacht zum 13. August nicht unter 27.6°C.
Der heißeste Tag des Monats war der 13.August, an dem die Temperaturen in Freiburg und in Karlsruhe auf 40,2°C kletterten. Diesen Wert hatte Karlsruhe bereits am 9.August erreicht. So hoch stand das Quecksilber in Deutschland bislang nur einmal - am 27.Juli1983 im fränkischen Gärmersdorf bei Amberg. Möglicherweise traten diesmal an automatischen oder nebenamtlich betreuten Stationen im Netz des nationalen Wetterdienstes sogar noch geringfügig höhere Einzelwerte auf. Die Überprüfung aller Werte ist jedoch laut DWD noch nicht abgeschlossen.
Die Niederschlagsbilanz war fast überall negativ : Bundesweit wurden verbreitet weniger als 50 Prozent der sonst üblichen Regenmenge erreicht. Am trockensten war es im sächsischen Görlitz mit nur 3,0 Liter Regen pro Quadratmeter (l/m²), was etwa 4 Prozent des dort üblichen Monatsniederschlags entspricht. Allerdings gab es auch eine Station mit einem leichten Regenüberschuss, nämlich Bad Lippspringe. Der meiste Regen fiel in Garmisch-Partenkirchen mit 120,2 l/m², entsprechend 70 Prozent des langjährigen Mittels.
Das im August übliche Soll an Sonnenstunden wurde deutschlandweit übertroffen, vielfach um mehr als 50 Prozent. So wurden in Harburg nahe der Donau 289 Stunden registriert. Das entspricht etwa 177 Prozent. Deutschlands sonnigster Ort war Karlsruhe mit rund 327 Stunden (148 Prozent). Vor allem im Süden und in der Mitte Deutschlands wurde an vielen Stationen so viel Sonne registriert wie noch nie zuvor in einem August.
Alle drei Sommermonate Juni, Juli und August waren erheblich zu warm. Der Juni und der August waren Rekordmonate. Aber auch die Lufttemperaturen des Monats Juli lagen erheblich über den Mittelwerten der internationalen klimatologischen Referenzperiode 1961-1990. So wurde natürlich auch der gesamte Sommer zum Rekordsommer. Die mittlere Tagestemperatur betrug etwa 19,6 Grad Celsius (°C) und lag damit 3,4 Grad über dem langjährigen Durchschnitt. Mit Ausnahme einiger Stationen in Norddeutschland war dies also der heißeste Sommer seit Beginn der Messreihen im Jahre 1901, meldet der Deutsche Wetterdienst (DWD) in Offenbach.
Auch die Zahl der "Sommertage" (Temperaturmaximum mindestens 25°C) sowie "Heißen Tage" (Temperaturmaximum mindestens 30°C) war so hoch wie nie. So registrierte der DWD im Oberrheingebiet insgesamt bis zu 54 solcher "Heißen Tage" und bis zu 84 Sommertage, beispielsweise in Freiburg im Breisgau.
Verursacht wurde diese extreme Witterung durch das gehäufte Auftreten sogenannter Omega-Lagen über Mitteleuropa. Dabei bildet sich unter einer Luftströmung in der Höhe, deren Form dem griechischen Buchstaben Omega gleicht, ein besonders stabiles Hoch (MICHAELA im Jahr 2003), das für wolkenarmes Wetter sorgt. Im Sommer können sich laut DWD so durch lange und ungehinderte Sonneneinstrahlung extrem hohe Temperaturen bilden.
Insgesamt fiel zu wenig Regen, und zwar mit wenigen Ausnahmen überall in Deutschland und in allen drei Monaten. In Mannheim fielen mit 62 Liter pro Quadratmeter (l/m² ) nur etwa 29 Prozent der dort üblichen sommerlichen Niederschlagsmenge. Am meisten regnete es in Garmisch-Partenkirchen mit 394 l/m² (ca. 76 Prozent). Ein heftiges Gewitter traf am 5.Juni das brandenburgische Holzdorf und brachte in relativ kurzer Zeit 74,3 l/m² Niederschlag. Nur an den Stationen Holzdorf, Kleiner Feldberg/Taunus und im mittelhessischen Wahlen fiel mehr Regen als aufgrund des langjährigen Mittels zu erwarten war..
Die Sonnenscheinbilanz war im Prinzip deutschlandweit positiv. Blauer Himmel zeigte sich etwa 27 Prozent häufiger als im Durchschnitt der Sommer 1961-90. Die einzige Ausnahme bildete der Große Arber im Bayerischen Wald. Dort wurden insgesamt 651 Stunden Sonne registriert, das entspricht fast dem Normalwert. Am wenigsten Sonne bekamen die DWD-Beobachter der Station Zugspitze ab : 578 Stunden (114 Prozent). Über die meiste Sonne konnte man sich in Landsberg freuen. Mit 920 Stunden in den Monaten Juni, Juli und August schien sie hier um 53 Prozent häufiger als üblich.