| In Ausgabe 11-12/2007, Erscheinung am 18.10.2007, erklären wir die Hintergründe der Polemik, die im Hinblick auf die neu zugelassene Schirmprüfstelle und die aufsteigende EN-Norm entstanden ist.
Nebenher erwähnen wir dabei auch die Möglichkeit der EN-Selbstzertifizierung : Selbst Alain Zoller von Air Turquoise geht davon aus, daß vermutlich mehrere Hersteller in den kommenden Monaten solche Selbstzertifizierungen vornehmen werden - auch wenn dies aus seiner Sicht rechtlich nicht möglich ist.
Der DHV sieht das anders : Nach Ansicht des deutschen Verbandes könnte tatsächlich jeder Hersteller seine Schirme selbst EN-zertifizieren. Unter anderem aus diesem Grund hat der DHV bisher eine mögliche Anerkennung der EN-Norm in der LTF außer Frage gestellt.
Tatsache ist, und auch dies haben wir in der kommenden GLEITSCHIRM-Ausgabe geschrieben, daß mehrere große Firmen durchaus bereit sind, nach bestandenem DHV-Gütesiegel noch zusätzlich selber eine EN-Zertifizierung vorzunehmen.
Allerdings ist uns ein peinlicher Fehler unterlaufen : Die Firma Swing wird dabei als Hersteller genannt, der DHV-gesiegelte Schirme selber EN-zertifizieren will.
Das ist ein Irrtum und beruht auf einem Mißverständnis. Richtig ist vielmehr, daß es für Swing-Boß Günther Wörl "undenkbar" ist, Schirme selbst mit einer EN-Musterprüfung zu versehen. Denn, so der Swing-Chef, "aus Produkthaftungsgründen kommt das für mich nicht in Frage. Ich zahle lieber mehr Geld und lasse die Prüfung beispielsweise von Alain Zoller machen. So werden die Ergebnisse unserer Testpiloten nochmals von unabhängiger und anerkannter Stelle bestätigt."
U-Turn dagegen hat bestätigt, daß der Emotion nach bestandenem Gütesiegel sehr wohl von U-Turn noch im Eigenverfahren EN-zertifiziert werden wird. Allerdings, und auf diese Feststellung legt U-Turn-Boß Thomas Vosseler sehr viel Wert, "macht U-Turn dies nur, weil der Schirm schon DHV-gesiegelt wurde". Die Firma will also ergänzende Flugtests machen und diese mit Video dokumentieren. "Einen Schirm, der nicht bereits von einer anerkannten Musterprüfstelle LTF-zertifiziert worden ist, würden wir nie selbst zertifizieren", bestätigt Thomas Vosseler. "Und hier sehe ich das große Problem des CEN-Gütesiegels : Andere Hersteller, die nicht auf dem deutschen Markt verkaufen wollen, könnten durchaus ihr EN-Zertifikat selber machen, ohne daß die Kappe wenigstens einmal von einer unabhängigen Prüfstelle begutachtet worden ist. Damit würden Kopierfirmen wie beispielsweise Onika-Paragliders Tür und Tor geöffnet. Und der Leidtragende wäre am Ende der ganze Gleitschirm-Sport"
Uns liegen auch Aussagen anderer Firmen vor, die ihre Schirme nach dem DHV-Gütesiegel zusätzlich EN-"besiegeln" wollen - in Eigenregie. Doch das könnte sich schnell wieder ändern : Wenn jetzt sowohl DHV als auch EAPR zusätzlich zu den LTF-Musterprüfungen noch EN-Zertifizierungen "dazugeben", braucht sich der Hersteller diese Mühe ja nicht mehr machen ...
Ein interessantes Update noch zum Thema "Gütesiegel 2008" : Wie bereits in der erscheinenden GLEITSCHIRM-Ausgabe angekündigt, haben die vom DHV geplanten Änderungen der LTF schlechte Karten, weil sich sowohl die PMA als auch die EAPR dagegen wehren - und wohl auch vom LBA zu diesem Thema angehört werden müssen.
Der DHV will offenbar dennoch am "Gütesiegel 2008" festhalten - und es als freiwilige "Zusatzqualifikation" zusätzlich zum bisherigen LTF-Verfahren anbieten. Dies würde bedeuten, daß ein Schirmmodell ein schwierigeres Verfahren durchlaufen würde und so wohl aus der Sicht vieler Piloten einen zusätzlichen "Sicherheitsbonus" bekäme. Und der Hersteller bekäme obendrein von der DHV-Prüfstelle noch die EN-Zertifizierung, die für den französischen Flugschulmarkt unabdingbar ist. Somit könnten im Schirm drei Siegel kleben ...
Wir sind gespannt auf die weitere Entwicklung ...
Sascha Burkhardt
Chefredaktion GLEITSCHIRM
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